Wandern in Namibia – Die Schluchten der Naukluft

Wandern in Afrika, da denkt man an den Kilimanjaro.

Die Wenigsten haben von der Naukluft gehört.

Aber der Naukluft Wander-Trail in Namibia ist eine der härtesten Wanderungen in Afrika. Obwohl es nicht höher als 2000 m hinaufgeht.

Auf fitte Wanderer, die es einsamer, wilder und weniger kommerziell mögen, wartet in der Naukluft ein Abenteuer in (fast) unberührter und spektakulärer Natur.

In diesem Artikel berichte ich über die ersten vier Tage der Wanderung. Sie bekommen dadurch eine Idee davon, was Sie auf dem Trail erwartet.

Der gesamte Wander-Trail ist 120 km lang und dauert 7 oder 8 Tage. Es gibt auch die Option vier Tage durch die Naukluft zu wandern.

Natürlich gibt es einen Haken:

Träger gibt es nicht.

Und wirkliche Wege auch nicht. Auf Zebrapfaden wandert man durch die Naukluft.

Damit habe ich jetzt wahrscheinlich schon einige verschreckt?

Aber das Leben beginnt ausserhalb der eigenen Komfortzone.

Probieren wir es aus!

Die Naukluft: Wandern in wilder Natur

Am „Hiker’s Heaven“, dem Ausgangspunkt der Wanderung, erzählen „Wandmalereien“ von den Abenteuern der Wanderer vor uns. Auffallend häufig sind Ketten abgebildet, die in eine tiefe Schlucht hinunterführen. (Anmerkung: der „Hiker’s Heaven wurde inzwischen abgerissen)

Von aussen wirkt das Naukluft-Massiv imposant und unzugänglich.

Nur zu Fuss kann man es erleben.

In manche Schluchten gelangt man nur mit Hilfe von dicken Stahlketten. An ihnen kann man sich festhalten, während man die steile Felswand eines trockenen Wasserfalls hinunterklettert.

Alles, was wir Menschen während mehrerer Tage in der Wildnis so brauchen, müssen wir in unserem Rucksack selbst tragen, von der Zahnbürste bis zur Trekking-Matratze. Nur frisches Bohrloch-Wasser bekommt man an den abgelegenen Übernachtungsplätzen.

Die Naukluft Wanderung ist kein Zuckerschlecken. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, warum ich mir das eigentlich antue.

Aber ich würde am liebsten schon wieder loswandern.

Hier in der Naukluft versteckt sich eine unberührte Welt aus tiefen Schluchten, plätschernden Quellen, kargen Plateaus, grünen Hainen aus Feigen- und Ebenholzbäumen, schroffen Felswänden und bemerkenswerten Tieren und Pflanzen.

Mit jedem Schritt treten wir die Welt da draussen mehr aus dem Bewusstsein.

Es geht nur noch um den nächsten Schritt, die nächste Pause, den Wasser- und Essensvorrat und den Luxus einsamer Natur.

Aufstieg ins Naukluft Massif auf dem Naukluft Wandertrail
Wanderer am Naukluft Rivier auf dem Naukluft Wandertrail

Freier Blick ins Universum

Der erste Tag auf der Naukluft Wanderung ist relativ einfach (ca. 300 Hm), bietet aber spektakuläre Ausblicke über den östlichen Rand der Namib.

Der „Putte Shelter“ ist der erste Übernachtungsplatz. Wir haben Durst und brauchen Wasser zum kochen. Aber wir kurbeln eine Weile an der Wasserpumpe, bis der erste Tropfen erscheint. Nur mit Teamwork kommt man ans Wasser. Zwei kurbeln, einer fängt auf.

Das Abendessen, Nudeln mit Sosse, habe ich vorher genau abgewogen. Jedes Gramm zählt, weil man ja alles selbst tragen muss. Einige waren da weniger vorsichtig und teilen grosszügig, um Gewicht loszuwerden.

Unsere Suite für heute Nacht besteht aus hüfthohen Mauern und einem Blechdach.

Wegen der Hyänen.

Die springen angeblich nicht über die Mäuerchen.

Fernab von jeglichem künstlichen Licht, schauen wir ins Universum und geniessen unser Abendessen unter den Sternen.

Ausblick auf den östlichen Rand der Namib vom Rand des Naukluft Massifs
Putte Shelter auf dem Naukluft Wandertrail

Das Ende der Nahrungskette?

Am nächsten Tag steht der gefürchtete Abstieg in die Ubusis Schlucht bevor. Meine Freunde, die die Wanderung schon zum zweiten Mal machen, beruhigen.

Wir wandern über felsige Hügel, bewachsen mit den typischen Euphorbien und Commiphora-Sträuchern.

Immer wieder stossen wir auf deutliche, teils frische Leoparden- und Hyänenspuren.

Die Naukluft ist ein 2000 km2 grosses Gebirgsmassiv, das komplett der Natur zurückgegeben wurde. Für Raubtiere sind das geradezu paradiesische Zustände, von Menschen fast völlig unbehelligt zu sein.

„Oh my…“schreit jemand vorn.

Und schon stolpern wir fast über den frischen Kadaver eines grossen Kudubullen.

Mein Blick geht sofort in den Baum über uns.

Wir müssen hier einen Leoparden von einem frischen „Kill“ vertrieben haben. Wahrscheinlich sitzt der Jäger irgendwo, und wartet, dass wir verschwinden.

Aber in der Astgabel über uns sitzt er nicht.

Wir stellen fest, dass auch wir hier in der Wildnis nicht am Ende der Nahrungskette stehen.

Als wir die Ubusis Schlucht erreichen, wandern wir in eine völlig andere Welt:

Steile Wände, an die sich Sträucher klammern, und dazwischen eine grüne Märchenwelt aus Pools mit glasklarem Wasser und Kaulquappen umgeben von Feigenbäumen. Nichts ist karg hier, wie in der Namib Wüste, die die Naukluft umgibt.

Bei der Mittagsrast an der Cathedral Fountain trauen sich einige ins eiskalte Wasser.

Manche Tiere laufen weite Strecken, um an solchen Pools zu trinken.

Wanderer auf dem Naukluft Wandertrail kurz vor der Ubusis Schlucht
Pools in der Ubusis Schlucht auf dem Naukluft Wandertrail

Weitere Wanderabenteuer in Namibia

Die gefürchteten Ketten der Naukluft

Kurz danach erreichen wir endlich den ersten trockenen Wasserfall.

Die weissen Fussabdrücke, die uns durch die Naukluft führen, enden im Nichts.

Ungläubig schauen wir senkrecht nach unten.

Aber unser Guide hat sich schon die am Fels angebrachte Kette hinuntergehangelt.

Keiner will zurückbleiben.

Einer nach dem anderen nehmen wir Kette und Leben in die Hand.

Danach noch eine Kette.

Und noch eine, und noch eine.

Kaum zu beschreiben ist die Euphorie, als wir unten sind.

Aber wir müssen das ja alles wieder hinauf!

In den Alpen wären die Ketten höchstens Klettersteig 1, allerdings wäre man dort gesichert. Und wahrscheinlich hätte man keinen 15 kg Rucksack auf dem Rücken.

Die Schlucht wird wieder weiter und verzaubert uns mit Feigenbäumen und einem Wald aus Köcherbäumen.

Eine Herde Kudus flüchtet. Wir bleiben stehen und beobachten leise, um die Tiere in der engen Schlucht nicht zu einer kopflosen Flucht zu treiben.

Überall finden wir Spuren von Bergzebras, Kudus, Pavianen, und von Tüpfelhyänen und Leoparden.

Es gibt viel zu erzählen heute.

Daher ist es schon halb acht, als wir uns in die Schlafsäcke unter dem Sternenhimmel legen und einschlafen.

Die Ubusis Hütte kam uns zu verlottert vor. Da es sowieso schöner ist, draussen zu schlafen, entschieden wir uns, das Risiko draussen von Hyänen geweckt zu werden, in Kauf zu nehmen.

Ein lauter Schrei weckt uns.

Es ist stockdunkel, hier gibt es kein künstliches Licht.

Alle suchen ihre Taschenlampen.

Doch dann kommt schon die Entwarnung: Jemand hat von Hyänen geträumt. Rote Augen, die aus der Dunkelheit auf ihn zugeleuchtet kamen …

Am nächsten Morgen erscheint der Weg zurück über die Ketten nach oben einfacher als hinunter. Wahrscheinlich alles psychologisch.

Auf dem Weg zum „Adlerhorst Shelter“ über die leicht hügelige „Kuduvlakte“ stossen wir auf Springbockherden, einzelne Oryxantilopen und die Hinterlassenschaften von Spitzmaul-Nashörnern.

Wir schlafen in einem gemauerten Rondell mit Dach. Da liegen wir mit unseren bunten Schlafsäcken aufgereiht im Kreis, bis uns das friedliche Sägen unseres Schnarchers weckt.

Schakale jaulen in der Ferne.

Senkrecht hinunterführender Abstieg an Ketten auf dem Naukluft Wandertrail
Pool und Feigenbäume auf dem Naukluft Wandertrail

Wasserfälle in der Wüste

Der letzte Tag in der Naukluft führt uns nach „Tsamms Ost“.

Dort haben wir in einem Stahlschrank frische Lebensmittel und ein paar Leckerbissen deponiert.

Vor allem den männlichen Teil der Gruppe motiviert die Vorfreude auf das erste Bier seit vier Tagen ungemein.

Obwohl wir an diesem Tag mit 17 Kilometern die bisher längeste Strecke zurücklegen, vergeht er wie im Flug.

Nach kurzer Wanderung über eine ausgedörrte Flaeche, erreichen wir die Schlucht des Tsamms Riviers.

Wieder geniessen wir die Schönheit einer grünen Oase. Von Moos bewachsene, gluggernde Wasserfälle kann man in Namibia sonst selten bestaunen. Wir hopsen von Stein zu Stein durch das Flussbett und kriechen mit den  Rucksäcken bergauf durch eine enge Höhle.

Doch dann müssen wir wieder hinauf. Wir klettern steil hinauf, raus der Schlucht. Zebrapfade zeigen uns den besten Weg.

Und oben geniessen wir eine grandiose Aussicht!

Doch in der Naukluft bleibt man nie oben oder unten.

Wir müssen schon wieder hinunter in die nächste Schlucht.

Über einen haarsträubend steilen Berghang schliddern wir wieder hinunter in die grüne Zauberwelt.

Zum Glück haben wir einen Guide. Überall führen Zebrapfade in die falsche Richtung und die weissen Markierungen sind leicht zu übersehen.

Tsamms Ost

Aber jetzt wittern wir Stallgeruch.

Das letzte Stück wandern wir auf einer richtigen Piste, statt eines Zebrapfades.

Denn nach Tsamms Ost führt eine Schotterpiste für die Nationalparkverwaltung. Auf der darf man nur fahren, wenn man ein Permit für die Naukluft Wanderung hat. Über diese Piste kann man dann, bevor man loswandert, Vorräte in den extra dafür vorgesehenen Stahlschränken Vorräte deponieren.

Ein lauwarmes Bier hat noch nie so gut geschmeckt!

Ein Teil der Gruppe hat sich die 120 km Route in 7 Tagen vorgenommen und wandert  am nächsten Tag weiter.

Aber für uns ist nach 4 Tagen diese Wanderung leider schon vorbei.

In Tsamms Ost werden wir abgeholt.

Wir nehmen noch Abfall vorheriger Gruppen aus den überquellenden Tonnen mit. Die Tonnen an diesen unzugänglichen Orten werden nicht geleert. Wanderer sollten ihren Müll wieder mitnehmen.

Steiler Abstieg auf dem Naukluft Wandertrail
Mit Moos bewachsener kleiner Wasserfall auf dem Naukluft Wandertrail

Sind Sie bereit für die Naukluft?

Man muss ihn lieben, diesen rauhen, wilden Charme Namibias.

Und nicht jeder träumt davon, ohne Komfort, ausgerüstet nur mit dem Nötigsten – das man selbst zu tragen hat –  in unzugänglichem, felsigem und manchmal öde anmutendem Gelände herumzulaufen – ohne andere Menschen zu treffen.

Aber Einige wird sie gefangennehmen und nicht mehr loslassen, diese Wildnis, die kaum noch zu finden ist, woanders auf der Welt.

Info:

  • Gewandert werden kann zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober. Ansonsten ist der Trail wegen der hohen Temperaturen und der Gefahr durch Sturzfluten geschlossen.
  • Begonnen werden kann der Trail nur samstags, dienstags und donnerstags in den ersten drei Wochen eines jeden Monats
  • mindestens 3 in einer Gruppe, höchstens 12 Wanderer pro Starttag
  • der Trail ist sehr anspruchsvoll und man bewegt sich abseits jeglicher Zivilisation,
  • auch Satelitten-Telephone funktionieren nicht überall in der Naukluft
  • Rettungs- und Bergunsaktionen sind schwierig und langsam, weil es kaum wege gibt. Eine Bergwacht existiert nicht.
  • alles Benötigte muss selbst mitgebracht und getragen werden
  • Vorausbuchung ist unbedingt notwendig.

Als Alternativen bieten sich der Olive Trail (0,5 Tag) und der Waterkloof Trail (1 Tag) an.

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