• Bunte Häuser in Lüderitz
  • Von Dünen verwehtes Bahngleis
  • Warnschild Wilde Pferde auf dem Weg nach Lüderitz
  • Sprungbrett in verfallenem Swimmingpool in Kolmanskuppe bei Lüderitz

Lüderitz, Kolmannskuppe, Sperrgebiet und wilde Pferde

  • Deutsche Kolonialgeschichte

  • Windige Hafenstadt

  • Kitesurfing Weltrekord

  • Diamantenstadt Kolmanskuppe

  • Wilde Pferde in der Wüste

  • Langusten- und Austernfestival

Namibia Karte - Spitzkoppe und Erongo

Lüderitz

Lüderitz ist ein hübsches Örtchen, in einer schroffen Umgebung.

Seit jeher ist der Ort Anziehungspunkt für Abenteurer. 1488 stellte der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diaz hier, in der Angra Pequena, der kleinen Bucht, ein Kreuz auf. So unwirtlich war es hier und so tückisch die Küste, dass danach jahrhundertelang niemand mehr versucht hat, hier an Land zu gehen.

Doch dann kam 1882 der deutsche Kaufmann Adolf Lüderitz, bzw. sein Gesandter Heinrich Vogelsang.

Heute findet man in und bei Lüderitz: Ein Sprungbrett mitten in der Wüste, bunte Art-Nouveau Häuschen mit Fachwerk-Look, eine Kegelbahn mit „Gut Holz“ Tafel, Pferde in der Wüste, Pinguine, Diamanten – und das alles an einer windigen, verlassenen Ecke Afrikas.

Namibia ist ein Land der Kontraste, aber in Lüderitz wird es auf die Spitze getrieben.

Die Geschichte von Lüderitz: Guano und Diamanten-Rausch

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Guano Sammler.

Auf den Lüderitz vorgelagerten Inseln sammelten sie den über Jahrtausende abgelagerten Dung der Seevögel, den Guano. 1843 war die Insel Ichaboe das Epizentrum für die Jagd nach dem „weissen Gold“ geworden. Etwa 350 Schiffe mit etwa 6000 Seeleuten ankerten bei dem Inselchen!

Die Verheissung von schnellem Reichtum zog ein buntes Völkchen von Abenteurern aus aller Welt an. Aber nach nur 2 Jahren war der Spuk vorbei, der Guano abgeerntet.

Als der Guano versiegte, zerstreuten sich auch die Abenteurer wieder.

Die windzersauste Küste von Lüderitz

Fast 40 Jahre später, 1882 sandte der deutsche Kaufmann Adolf Lüderitz seinen Angestellten Heinrich Vogelsang an diese sonst von niemandem beachtete Ecke Afrikas. Für einen Apfel und ein Ei (ein paar Gewehre und etwas Geld) luchste Heinrich Vogelsang im Auftrag von Lüderitz dem ansässigen Nama-Stamm  ein riesiges Stück wasserlose Wüste ab.

Lüderitz überzeugte Reichskanzler Bismarck, dass diese Wüste eine grossartige Gelegenheit für das deutsche Reich sei, auch eine Kolonie zu haben. 1884 wurde dann aus Südwestafrika, Deutsch-Südwestafrika.

Diamanten!

Bingo: 1908 wurden beim Bau einer Eisenbahn von Lüderitz ins Inland Diamanten gefunden. Fortan tobte hier der Diamantenrausch.

Bald wurde in der Wüste Champagner getrunken. Der war ja billiger als Wasser, zumindest fast genauso teuer. Das Wasser musste per Schiff aus Kapstadt herangeschafft und dann mit Ochsenwagen angekarrt werden. Trotzdem war das Wasser im Schwimmbecken von Kolmannskuppe tief genug, um vom Sprungbrett hineinzutauchen.

Wie gewonnen, so zerronnen: 1928 wurden dann auch weiter südlich am Oranje -Fluss Diamanten gefunden. Kolmannskuppe wurde daraufhin bedeutungslos und Lüderitz fiel in einen fortwährenden Dornröschenschlaf.

 Das erste Konzentrationslager

Auf der Haifisch-Insel (Shark Island) befand sich das erste Konzentrationslager deutscher Geschichte. Das kam so:

1904 erhoben sich die lokalen Stämme, vor allem die Namias und Hereros, gegen die deutsche Kolonialmacht. Nach dem niedergeschlagenen Aufstand wurden tausende Herero und Nama hier gefangengehalten und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Ein Grossteil von ihnen kam wegen der schlechten Bedingungen ums Leben. Heute befindet sich hier neben Gedenktafeln ein Campingplatz.

Lüderitz heute – hübsches Städtchen mit wildem Flair

Ist man in Lüderitz angelangt, präsentiert sich ein buntes, charmantes Städtchen mit wildem Flair.

Hübsche alte Häuser vermischen sich mit Zweckbauten und Industrie- und Hafenanlagen zu einer eigenwilligen Mischung. Die grellen Farben der Häuser zerreissen die Monotonie der zerzausten Felsküste. Und über allem wacht die Felsenkirche.

Blick auf Lüderitz und Felsenkirche

Heute lebt Lüderitz  zu einem grossen Teil vom Fischfang. Die Fischgründe sind heutezutage allerdings wegen jahrzehntelanger Überfischung nicht mehr ganz so ertragreich. Langusten konnten einst tonnenweise aus dem Ozean gezogen werden. Ganz so einfach ist es nicht mehr. Trotzdem lockt Lüderitz jedes Jahr im April mit dem Crayfish (Langusten) Festival, das sogar Besucher aus dem fernen Windhoek und Swakopmund anzieht.

Was kann man in Lüderitz unternehmen?

Ausrüstung fürs Stand Up Paddling oder Windsurfen kann man sich in Lüderitz leihen, und man kann es sich auch von professionellen Trainern zeigen lassen.

Die fantastisch wilde, windgepeitschte Küste kann man sich auch vom Catamaran aus anschauen. Die Tour führt zum Diaz Point (den man auch über Land erreichen kann) und Halifax Island, wo Sie die grösste Brutkolonie von Brillenpinguinen antreffen können. Sie besuchen Buchten mit Achaten, Höhlen, Robben, eine verlassene Walstation, vielleicht schwimmmen Delfine mit dem Catamaran um die Wette, und am Ende gibt es natürlich Austern.

Lüderitz ist abgelegen, aber kulinarisch und gastgeberisch lässt es sich nicht lumpen. Es gibt es hervorragende Hotels, Gästehäuser, Back-Packer und Selbstversorger-Unterkünfte. Und natürlich isst man hier hervorragend Fisch und andere Meeresfrüchte. Vielleicht verfallen auch Sie dem wilden, lockeren Reiz von Lüderitz.

Aber auch dann müssen Sie wahrscheinlich irgendwann wieder weiter. Fahren Sie auf jeden Fall die Schotterpiste D707. Sie gilt als eine der schönsten Routen in Namibia.

Der Wind, der Wind und das Kite Surfen

Es führt nur eine Strasse nach Lüderitz und die muss regelmässig mit einem Schneepflug von Sand freigeräumt werden.

Der Südwester-Wind aus der Antarktis jagt hier fast ständig landeinwärts und treibt die Dünen vor sich her. Dieser Südwester-Wind ist dafür verantwortlich, dass Lüderitz nun wieder Abenteurer anzieht. Lüderitz ist als Mekka der Kite- und Wind-Surfer entdeckt worden. Man peilt Geschwindigkeitsrekorde von über 100 km/h an.

Wer genug Zeit hat, sollte Lüderitz und Umgebung nicht verpassen. Der Charme von Lüderitz und Umgebung ist ein ganz anderer als der von Swakopmund. Lüderitz ist hat ein wildes Flair, vom Wind zerzaust, fast etwas verlassen und morbid. Aber das kann süchtig machen.

Geisterstadt Kolmannskuppe

  • Villa in der Geisterstadt Kolmannskuppe
  • Raum in der Geisterstadt Kolmannskuppe
  • Strassenbahn Geisterstadt Kolmannsuppe

Bei kaum einem Besuch in Lüderitz fehlt Kolmannskuppe: Namibia’s Diamantengeisterstadt, von der man einst behauptete, sie sei die stein-reichste Stadt der Welt.

Heute wohnt der Sand in den Villen, der Schule, und dem Krankenhaus. Im Krankenhaus von Kolmannskuppe befand sich einst die erste Röntgenstation südlich des Äquators! An der Kegelbahn hängt immer noch ein Schild, das „Gut Holz“ wünscht.

Turnhalle und Ballsaal waren Zentren des gesellschaftlichen Lebens. Die Bewohner von Kolmannskuppe mussten sich nicht, wie wir heute, selbst durch den Sand der Strassen mühen. Eine von Maultieren gezogene Strassenbahn brachte die Damen und Herren von A nach B.

Wilde Pferde

  • Wilde Pferde in der Namib bei Garub
  • Warnschild Wilde Pferde auf dem Weg nach Lüderitz
  • Wilde Pferde mit Fohlen in der Namib bei Garub

Auf dem Weg nach Lüderitz kurz hinter Aus liegt Garub. Hier beim „Dicken Wilhelm“ Berg überleben seit über 100 Jahren die wilden Pferde des Sperrgebiets.

Sie sind wohl eine Mischung aus entlaufenen deutschen und südafrikanischen Armeepferden und Zuchttieren der umgebenden Gestüte. Mittlerweile sind sie zu einer eigenen Rasse geworden, und haben sich erstaunlich gut an das Leben in der Wüste angepasst. Trotzdem sind sie ständig bedroht von Hunger und Hyänen. In schlimmen Dürrejahren werden die Pferde von einem Verein mit Heu versorgt.

Sperrgebiet

Das Sperrgebiet ist seit kurzem entsperrt.

Über ein Jahrhundert lang war der Zugang strikt untersagt, weil das Gebiet nach Diamanten durchwühlt wurde. NAMDEB, die namibische Diamantenfirma, ist sich nun sicher keines der teuren Steinchen übersehen zu haben. Man hat das Gebiet zum Tsau ǁKhaeb National Park erklärt. Und den kann man auf geführten Touren besuchen.

Lebensvielfalt in der Wüste

Das Sperrgebiet liegt in der Sukkulentenkaroo und gilt als eines der artenreichsten Gebiete weltweit!

Die Sukkulentenkaroo ist einer der vier Wüsten Namibias und hat einen ganz eigenen Charakter. Genau wie in der Namib, nördlich von hier, regnet es in der Sukkulentenkaroo kaum, aber Nebel sorgt für etwas Feuchtigkeit.

Es ist zwar trocken hier, aber extreme Bedingungen spornen das Leben an, sich anzupassen. Dafür braucht das Leben nur genügend ungestörte Zeit, und die hatte es hier. Es gibt hier über 1000 Pflanzenarten. Das entspricht 25% der in ganz Namibia vorkommenden Arten – und das auf nur 3% der Fläche! Damit ist die Biodiversität im trockenen Sperrgebiet ähnlich hoch wie im Regenwald. Fast ein Drittel dieser Pflanzen kommen nur hier vor, nirgends sonst!

Durch die Diamantensuche wurde das Gebiet zwar durchwühlt, aber ansonsten vor Übernutzung geschützt. Dadurch sind weite Teile noch in völlig natürlichem, ursprünglichem Zustand erhalten.

Ins Sperrgebeit werden Tagesausflügen aber auch mehrtägige Touren ins Sperrgebiet angeboten.

Sehr interessante Infotafeln über die Geologie, Fauna & Flora, Geschichte, usw des Sperrgebietes finden Sie hier.

Namibia Sperrgebiet Blühende Steine

Die verlassenen Orte hier haben Namen wie Elizabeth Bay, Hottentots Bay and Baker’s Bay – Namen aus einer vergangenen Ära. In den alten, verfallenen Anlagen der Diamentenindustrie wohnen heute Braune Hyänen, manchmal auch Pinguine und Robben.

Uralte, vom Menschen nie veränderte Landschaften, Tiere, die sich dieser rauesten Umgebung angepasst haben und verfallene Gebäude der Menschen – das ist grossartiges Filmmaterial. Drehen Sie Ihren eigenen Film…

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