Der Naukluft Wander-Trail in Namibia soll einer der schwierigsten in Afrika sein. 8 Tage dauern die 120 km, 4 davon haben wir gemacht. Was für ein Erlebnis!

Am „Hiker’s Heaven“, dem Ausgangspunkt der Wanderung, erzählen „Wandmalereien“ von den Abenteuern der Wanderer vor uns. Auffallend häufig sind Ketten abgebildet, die in eine tiefe Schlucht hinunterführen. (Anmerkung: der „Hiker’s Heaven wurde inzwischen abgerissen)

Von aussen wirkt das Naukluft-Massif imposant und unzugänglich. Nur zu Fuss kann man es erleben. Hier versteckt sich eine unberührte Welt aus tiefen Schluchten, plätschernden Quellen, kargen Plateaus, grünen Hainen aus Feigen- und Ebenholzbäumen, schroffen Felswänden und bemerkenswerten Tieren und Pflanzen. Die Welt da draussen wird mit jedem Schritt mehr aus dem Bewusstsein getreten. Es geht nur noch um den nächsten Schritt, die nächste Pause, den Wasser-und Essensvorrat und den Luxus der Weite.

Aufstieg ins Naukluft Massif auf dem Naukluft Wandertrail
Wanderer am Naukluft Rivier auf dem Naukluft Wandertrail

Freier Blick ins Universum

Der erste Tag auf der Naukluft Wanderung ist relativ einfach (ca. 300 Hm), bietet aber spektakuläre Ausblicke über den östlichen Rand der Namib. Am „Putte Shelter“, dem ersten Übernachtungsplatz, kurbeln wir eine Weile an der Wasserpumpe, bis der erste Tropfen erscheint. Nur mit Teamwork kommt man ans Wasser. Zwei kurbeln, einer fängt auf. Das Abendessen, Nudeln mit Sosse, habe ich vorher genau abgewogen. Jedes Gramm zählt, weil man ja alles selbst tragen muss. Einige waren da weniger vorsichtig und teilen grosszügig, um Gewicht loszuwerden. Unsere Suite für heute Nacht besteht aus hüfthohen Mauern und einem Blechdach. Wegen der Hyänen. Fernab von jeglichem künstlichen Licht, schauen wir ins Universum und geniessen unser Abendessen unter den Sternen.

Ausblick auf den östlichen Rand der Namib vom Rand des Naukluft Massifs
Putte Shelter auf dem Naukluft Wandertrail

Das Ende der Nahrungskette?

Am nächsten Tag steht der gefürchtete Abstieg in die Ubusis Schlucht bevor. Meine Freunde, die die Wanderung schon zum zweiten Mal machen, beruhigen. Wir wandern über felsige Hügel, bewachsen mit den typischen Euphorbien und Commiphora-Sträuchern und stossen auf deutliche Leoparden- und Hyänenspuren.

„Oh my…“ hören wir noch von vorn, als wir schon über den frischen Kadaver eines grossen Kudubullen stolpern. Wir stellen fest, dass auch wir hier nicht am Ende der Nahrungskette stehen. Als wir die Ubusis Schlucht erreichen, wandern wir in eine völlig andere Welt: Steile Wände, an die sich Sträucher klammern, und dazwischen eine grüne Märchenwelt aus Pools mit glasklarem Wasser und Kaulquappen umgeben von Feigenbäumen. Bei der Mittagsrast an der Cathedral Fountain trauen sich einige ins eiskalte Wasser. Manche Tiere laufen weite Strecken, um an solchen Pools zu trinken.

Wanderer auf dem Naukluft Wandertrail kurz vor der Ubusis Schlucht
Pools in der Ubusis Schlucht auf dem Naukluft Wandertrail

Die gefürchteten Ketten der Naukluft

Kurz danach erreichen wir endlich den ersten trockenen Wasserfall. Die weissen Fussabdrücke, die uns durch die Naukluft führen, enden im Nichts. Ungläubig schauen wir senkrecht nach unten. Aber unser Guide hat sich schon die am Fels angebrachte Kette hinuntergehangelt. Keiner will zurückbleiben. Einer nach dem anderen nehmen wir Kette und Leben in die Hand. Danach noch eine Kette. Und noch eine, und noch eine. Kaum zu beschreiben ist die Euphorie, als wir unten sind. Aber wir müssen das ja alles wieder hinauf!

In den Alpen wären die Ketten höchstens Klettersteig 1, allerdings wäre man dort gesichert. Die Schlucht wird wieder weiter und verzaubert uns mit Feigenbäumen und einem Wald aus Köcherbäumen. Eine Herde Kudus flüchtet. Wir bleiben stehen und beobachten leise, um die Tiere in der engen Schlucht nicht zu einer kopflosen Flucht zu treiben. Überall finden wir Spuren von Bergzebras, Kudus, Pavianen, und von Tüpfelhyänen und Leoparden. Es gibt viel zu erzählen heute. Daher ist es schon halb acht, als wir uns in die Schlafsäcke unter dem Sternenhimmel legen und einschlafen. Ein lauter Schrei weckt uns. Unser Guide hat von Hyänen geträumt…

Der Weg zurück über die Ketten nach oben scheint einfacher als hinunter. Auf dem Weg zum „Adlerhorst Shelter“ über die leicht hügelige „Kuduvlakte“ stossen wir auf Springbockherden, einzelne Oryxantilopen und die Hinterlassenschaften von Spitzmaul-Nashörnern. Wir schlafen in einem Rondell mit unseren bunten Schlafsäcken aufgereiht im Kreis, bis uns das friedliche Sägen unseres Schnarchers weckt. Schakale jaulen in der Ferne.

Senkrecht hinunterführender Abstieg an Ketten auf dem Naukluft Wandertrail
Pool und Feigenbäume auf dem Naukluft Wandertrail

Wasserfälle in der Wüste

Der letzte Tag in der Naukluft führt uns nach „Tsamms Ost“. Dort haben wir in einem Stahlschrank frische Lebensmittel und ein paar Leckerbissen deponiert. Vor allem den männlichen Teil der Gruppe motiviert die Vorfreude auf das erste Bier seit vier Tagen ungemein. Obwohl wir an diesem Tag mit 17 Kilometern die bisher längeste Strecke zurücklegen, vergeht er wie im Flug. Nach kurzer Wanderung über eine ausgedörrte Flaeche, erreichen wir die Schlucht des Tsamms Riviers. Wieder geniessen wir die Schönheit einer grünen Oase. Von Moos bewachsene, gluggernde Wasserfälle kann man in Namibia sonst selten bestaunen. Wir hopsen von Stein zu Stein durch das Flussbett und kriechen mit den  Rucksäcken bergauf durch eine enge Höhle.

Wir klettern aus der Schlucht, geniessen eine grandiose Aussicht und schliddern über einen haarsträubend steilen Berghang wieder hinunter in die Zauberwelt. Zum Glück haben wir einen Guide. Überall führen Zebrapfade in die falsche Richtung und die weissen Markierungen sind leicht zu übersehen. Jetzt wittern wir Stallgeruch. Ein lauwarmes Bier hat noch nie so gut geschmeckt!

Ein Teil der Gruppe hat sich die 120 km Route in 7 Tagen vorgenommen und wandert  am nächsten Tag weiter. Aber für uns ist nach 4 Tagen diese Wanderung  leider schon vorbei. In Tsamms Ost werden wir abgeholt und nehmen noch Abfall vorheriger Gruppen aus den überquellenden Tonnen mit. Die Tonnen an diesen unzugänglichen Orten werden nicht geleert. Wanderer sollten ihren Müll wieder mitnehmen.

Steiler Abstieg auf dem Naukluft Wandertrail
Mit Moos bewachsener kleiner Wasserfall auf dem Naukluft Wandertrail

Sind Sie bereit für die Naukluft?

Man muss ihn lieben, diesen rauhen, wilden Charme Namibia’s. Und nicht jeder träumt davon, ohne Komfort, ausgerüstet nur mit dem Nötigsten – das man selbst zu tragen hat –  in unzugänglichem, felsigem und manchmal öde anmutendem Gelände herumzulaufen – ohne andere Menschen zu treffen. Aber Einige wird sie gefangennehmen und nicht mehr loslassen, diese Wildnis, die kaum noch zu finden ist, woanders auf der Welt.

Info:

  • Gewandert werden kann zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober. Ansonsten ist der Trail wegen der hohen Temperaturen und der Gefahr durch Sturzfluten geschlossen.
  • Begonnen werden kann der Trail nur samstags, dienstags und donnerstags in den ersten drei Wochen eines jeden Monats
  • mindestens 3 in einer Gruppe, höchstens 12 Wanderer pro Starttag
  • der Trail ist sehr anspruchsvoll und man bewegt sich abseits jeglicher Zivilisation,
  • alles Benötigte muss selbst mitgebracht und getragen werden
  • Vorausbuchung ist unbedingt notwendig.

Als Alternativen bieten sich der Olive Trail (0,5 Tag) und der Waterkloof Trail (1 Tag) an.

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