Namibia verzaubert nach dem Regen

Spinnen die Namibier?

Wenn es in Namibia regnet flippen alle aus. Vor Freude! In Namibia ist Regen etwas ganz Besonderes.

Die Sonne scheint hier fast immer. An durchschnittlich 300 Tagen im Jahr! Das liegt natürlich am besonderen Klima in Namibia.

Daher ist das Wetter hier eigentlich keiner Rede Wert – es sei denn es regnet, oder es regnet nicht. Beides bewegt die Bewohner des Wüstenlandes Namibia mehr wie in Deutschland die Aussicht auf Badewetter.

Haben Sie schon mal die Regenmenge in Ihrem Garten gemessen? Nach jedem Schauer? Die Namibier tun es mit Hingabe. Wo es 2, 7, 20 oder gar 90 mm geregnet hat, steht in Namibia in der Zeitung.

Es gibt eine Facebook Gruppe „Reen in Namibia“, also Regen in Namibia. Dort wird jede schwarze Wolke gepostet und diskutiert.

Regenzeit im Sommer

Besonders, wenn es einige Jahre nicht, oder wenig geregnet hat, steigt zum Beginn der Regenzeit die Spannung. Wenn es nicht genug regnet, wächst kein Gras für die Tiere und die Landwirtschaft sitzt auf dem Trockenen. Wenn es nicht genug regnet, werden die Trinkwasserspeicher nicht aufgefüllt. Wenn es nicht genug regnet, wird es ernst.

Sandwirbel und Geier am Rande der Namib, Namibia

Die beginnende Regenzeit Anfang des Sommers (etwa Oktober) schickt oft fluffige Wolkendecken als Vorboten. Dann staut sich die Hitze, und es wird heiss und immer heisser. Jedes Lebewesen glüht vor Hoffnung auf Regen. Doch der Wind dreht. Der Südwester-Wind treibt die Wolken erbarmungslos dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Und die Hoffnung auf Regen fällt in sich zusammen. Bis die nächsten Wolken herantreiben…

Das Klima scheint sich zu wandeln. Der Regen kommt nun oft spät. 2018 hat es erst zu Ostern nennenswert geregnet. Das ganze Land bangt und hofft dann auf Regen. Und was für eine Erleichterung, wenn er dann endlich kommt!

Wolkenberge über dem Naukluftgebirge im Süden Namibias

Die letzte Regensaison mit üppigem Regen war 2010/11. Monatelang regnete es stark. Alle Riviere (= Trockenflüsse) flossen stark, teils monatelang. Das Land verwandelte sich in einen Dschungel, Strassen wurden weggespült. Der Swakopfluss ergoss sich wochenlang in den Atlantik. Das hat er seither nicht mehr getan!

Seitdem blieben die meisten Riviere (= Trockenflüsse) trocken und in einigen Gegenden war auch der letzte Grashalm abgegrast. Wildtiere sah man dort nicht mehr. Und viele Farmer mussten ihre Kühe, Schafe und Ziegen schlachten oder verkaufen.

2020 kam nun endlich fast landesweit wieder der ersehnte Regen. Sogar der notorisch trockene Süden bekam Mitte April noch einige grosse Schauer. Nur Teile des Kaokovelds im Nordwesten und einige Teile des Südens darben noch. Aber das Schlimmste scheint abgewendet. Die Trinkwasserspeicher haben erstmal wieder ausreichend Wasser.

Wenn der Regen kommt, verwandelt sich Namibia unglaublich schnell:

Fifty Shades of Green!

Namibia nach dem Regen

In der Namib-Wüste herrschen normalerweise Brauntöne vor. Nach dem Regen sieht alles nach kurzer Zeit schon viel grüner aus!

Landschaft in der Namib in den normalen Braun-TönenNamib Landschaft grün
Damaraland Etendeka Berge trockenDamaraland Etendeka Berge in Namibia grün

Es kann sogar sein, dass sich mitten in der sonst staubtrockenen Wüste der Skelettküste eine vergängliche Wasser-Oase bildet:

Wasser mitten in der Namib, Namibia

Und in ausserordentlichen Regenjahren kann es sogar passieren, dass der Wendekreis des Steinbocks (Tropic of Capricorn) unter Wasser steht:

Wendekreis des Steinbocks unter Wasser

Flüsse fliessen hier nur nach dem Regen

Die meisten Flüsse in Namibia fliessen nicht. Und sie heissen nicht Fluss, sondern Rivier. Und wenn so ein trockener Fluss doch einmal fliesst, dann „kommt das Rivier ab“. Und das ist in Namibia oft ein Grund zum feiern. Man packt dann alles zusammen, um zu „Braaien“, also zu Grillen, und fährt zum fliessenden Fluss. Man erlebt das schliesslich nicht so oft.

Der Kuiseb - ein trockener Fluss in Namibia_normal
Der Kuiseb - ein sonst trockener Fluss in Namibia mit Wasser

Sieht man nach dem Regen noch Tiere?

Man hört oft, dass die beste Reisezeit die Trockenzeit sei, weil man dann mehr Wildtiere sieht. In der Tat sehen die Wasserlöcher im Etosha-Nationalpark in der Trockenzeit meist so aus:

Etosha Wasserloch_Elefanten Impalas Zebras
Etosha Wasserloch während der Trockenzeit

Wenn es geregnet hat, kann es dagegen sein, dass in Etosha niemand zum Wasserloch kommt. Es gibt dann im Busch genügend kleine Wasserlöcher. Die Tiere können sich dann den oft weiten Weg zum nächsten Wasserloch sparen. Sie können dann Weidegebiete im Etosha Nationalpark nutzen, die weiter von der nächsten Wasserstelle weg sind. Und, sie müssen sich nicht der Gefahr aussetzen, am Wasserloch von Löwen, Leoparden oder Geparden überrascht zu werden.

tosha Wasserloch leer nach dem Regen

Das heisst aber nicht unbedingt, dass während der Regenzeit im Etosha-Nationalpark keine besonderen Tier-Erlebnisse möglich sind. Im Gegenteil! Es ist vielleicht etwas schwieriger Wildtiere zu finden, und sie sind weiter im Busch verteilt. Aber dafür können Sie vielleicht Giraffen auf grüner Wiese bewundern oder junge Pelikane:

Giraffen auf grüner Blumenwiese im Etosha Nationalpark
Junge Pelikane in der Etosha Pfanne

Oder die sehr sehr seltenen Paradieskraniche (es wird geschätzt, dass in Namibia nur noch weniger als 40 dieser schönen Vögel leben):

Paradieskraniche am Wasserloch im Etosha Nationalpark in Namibia

Auch Löwen und andere Raubtiere, wie Hyänen und sogar Geparde lassen sich in der Regenzeit oft gut beobachten.

Löwenpärchen im Etosha Nationalpark in Namibia

Und natürlich gibt es viele Tierkinder. Diese Mutter und ihr Kitz gehören zu den streng geschützten Schwarznasen-Impalas (Aepyceros Melampus petersi). Sie kommen nur in Teilen Namibia’s und Angola’s vor. In anderen afrikanischen Ländern gibt es nur gewöhnliche Impalas (Aepyceros Melampus).

Impala Mutter mit Kitz im Etosha Nationalpark

Sieht man jetzt vielleicht sogar manchmal mehr Tiere?

Ausserhalb Etoshas schiessen die Wildtiere jetzt manchmal wie Pilze aus dem Boden. Wo waren diese Hartmann’s Bergzebras während der Trockenzeit? Im Damaraland erschweren keine Zäune die Wanderungen der Tiere. Sie ziehen mit dem Regen. Während der harten Trockenperioden ziehen sie sich vielleicht in die Berge zurück. Sie wissen, wo sie dort noch spärliches Gras und versteckte Quellen finden. Oder sie ziehen weiter nach Osten, raus aus der Namib, wo es generell mehr regnet und mehr wächst.

Manchmal sind Zebras in der Gegend um Palmwag fast so selten wie Nashörner. Erreicht dann der Regen die Namib, sind sie plötzlich wieder da und haben Fohlen!

Hartmanns Bergzebras im grünen Damaraland

Panzerheuschrecken sind auf ihre eigene besondere Weise ziemlich posierlich! Nach dem Regen tauchen sie oft zu tausenden auf, wie kleine Ausserirdische mit langen Antennen:

Panzerheuschrecke in Namibia

Besonders interessant nach dem Regen sind die Pflanzen

Es gibt viele Aloenarten in Namibia. Der berühmte Köcherbaum ist eine Aloe (Aloidendron dichotomum). Er ziert viele Postkartenbilder Namibias. Hier blüht prachtvoll eine Aloe zebrina (wegen der weissen Zebra-Flecken) in der Palmwag Konzession.

Hartmanns Bergzebras im grünen Damaraland

Die Knollen vieler Lilien-Arten überbrücken die trockenen Zeiten im Boden. Bei ausreichend Regen muss die Pflanze schnell blühen, wer weiss wie lange der Regen anhält und ausreichend Wasser zur Verfügung steht.

Vlei Lilien auf Kalahari Sand am Waterberg

An allen Ecken lassen sich plötzlich Pflanzen blicken. Manche hat vielleicht noch nicht mal ein Namibier je zu Gesicht bekommen, oder zum letzten Mal vor Jahren oder Jahrzehnten. Die Samen und Zwiebeln vieler Gräser, Kräuter und Blumen können lange Zeit im Dornröschenschlaf im ausgetrockneten Boden verbringen – bis der Regen sie nach vielen Jahren wach küsst.

Pflanzen in Namibia nach dem Regen
Pflanzen in Namibia nach dem Regen

Manchmal bringt die Regenzeit einen grossen Schatz

Und manchmal, ganz selten, gibt es während der Regenzeit einen grossen Schatz! Es ist kein Gold und keine Diamenten, es ist ein Pilz.

Ein Pilz?

Ja, ein Pilz, aber ein ganz Besonderer. Er wird von Termiten gezüchtet.

Man muss ihn früh morgens suchen, sonst haben ihn die Kudus oder Warzenschweine aufgefressen. Aber die Bedingungen müssen richtig sein, sonst sucht man vergebens. Es muss geregnet haben, und es muss schwül-heiss sein. Aber auch dann hat man nicht immer Glück.

Sie werden Omajovas genannt, was in der Herero-Sprache so viel wie Dummkopf bedeutet. Die Wisschenschaftler nennen ihn Termitomyces schimperi. Er wächst ausschliesslich in Namibia.

Omajovas sind in Namibia eine äusserst berühmte und begehrte Delikatesse. Die Leute fahren hunderte Kilometer, wenn das Gerücht die Runde macht, dass es welche gibt.

Mehr zu den Omajovas gibt es dann in einem anderen Blog.

Omajova Pilz
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