Auf der Suche nach Namibias berühmten Wüstenlöwen

Die Könige der Namib-Wüste sind die Wüstenlöwen. Fast waren sie ausgerottet, aber sie sind zurück. Um die 150 Wüstenlöwen streifen wieder durch die dramatischen Landschaften der nördlichen Namib.

Löwen faszinieren uns durch ihre Stärke, wilde Schönheit und kraftvolle Eleganz.

Aber was ist das Besondere an Wüstenlöwen?

Es ist ihr Zuhause, die Namib-Wüste: die Dünen, die schroffen Berge und die wasserlosen Ebenen. Die Namib ist oft lebensfeindlich und doch von einer bezaubernden Schönheit. Die Wüstenlöwen haben gelernt, in dieser gnadenlosen Welt von flirrender Hitze, bitterer Kälte, Sandstürmen und notorischer Knappheit an Beutetieren zu überleben.

Zusammen ergeben die Wüste und die Löwen eine einzigartige Kombination, deren Magie viele nicht mehr loslässt.

Wüstenlöwen C Felix Vallat

Ein Forscher, Dr. Philipp (Flip) Stander, hat ihnen sein Leben gewidmet. Ein Filmteam hat ein Rudel mehrere Jahre lang begleitet und eine grossartige zweiteilige Dokumentation geschaffen: „Wüstenkönige – Die Löwen der Namib“/ „Vanishing Kings“.

Und wir konnten über mehrere Tage die Arbeit des Wüstenlöwenforschers Dr. Stander einige Tage aus erster Hand erleben!

Die berühmten Wüstenlöwen waren Ende der 80er Jahre schon fast ausgestorben. Heute, leben wieder 150-200 der an das Leben in der Wüste angepassten Löwen in Namibia’s Kunene Region (Damaraland/ Kaokoveld). Eng verbunden mit ihrem Come-Back ist Dr. Philipp (Flip) Stander, der sie seit 1998 erforscht.

Forschung für das Überleben der Wüstenlöwen

Dr. Stander vor seinem Forschungsfahrzeug

Wir waren auf der Suche nach Wüstenlöwen in Namibia. Doch zunächst suchten wir den Wüstenlöwenforscher Dr. Philip (Flip) Stander. Wir trafen ihn nach Sonnenuntergang inmitten der Palmwag Konzession.

Während wir uns ums Abendessen kümmerten, machte er sich auf zum nächsten Hügel: Um nach Löwen zu hören, über das Radio-System. Danach kam er zu einem Plausch an unser Lagerfeuer. Als wir in unsere Zelte krochen, kehrte Dr. Stander zum Hügel zurück, um weiter nach Löwen zu hören. Während wir am nächsten Morgen unserem Frühstück frönten, fuhr Dr. Stander schon mal voraus, um Löwen zu suchen.

Löwenforschung ist kein Beruf, sondern Berufung.

Wüstenlöwe in Deckung Copyright Dr Stander

Der Lebensraum der Wüstenlöwen liegt in Namibia’s Kunene Region (grüner Kreis):

C Desert Lion Project - Karte der Löwenpopulationen in Namibia

Über Dr. Standers Webseite www.desertlion.info, können wir das Leben einiger dieser Wüstenlöwen nachverfolgen. Wir finden dort eine Menge interessanter Informationen, die er durch seine Forschungsarbeit im Laufe der Jahre erarbeitet hat.

Von Wüstenlöwen und Ausserirdischen

Unser Ziel war es, ein Mitglied des Obab-Löwenrudels mit einem GPS Sender auszustatten, den der TOSCO Trust gesponsort hatte. Einige Löwen dieses Rudels hatten bereits Radio-Halsbänder. Diese sollten aber durch GPS Technologie ersetzt werden.

Als wir versuchten, das Obab Rudel mit Hilfe der Radiosender zu finden, merkten wir, dass das alles andere als einfach ist.

Man muss sich das nervtötende Geräusch des Radiosignals den ganzen Tag lang anhören. Das rauscht etwa so, wie ein Radio, das keinen Kanal findet. Man muss feine Veränderungen dieses Rausch-Signals erkennen und  interpretieren. Verändert sich das Signal, könnte es bedeuten, dass man den Löwen näher kommt.

Man könnte auch nach Ausserirdischen in den Weiten des Weltalls suchen…

TOSCO Trust (Tourism Supporting Conservation) unterstützt Dr. Stander und seine Organisation zum Schutz der Wüstenlöwen, sowie eine Vielzahl anderer Initiativen, um Namibia’s einzigartige Natur zu schützen. TOSCO baut auf nachhaltigen Tourismus.

Wüstenlöwenforscher Dr Stander im Forschungsfahrzeug

Auf flachem Land wäre es noch relativ einfach, dem Radiosignal zu folgen. Aber die Wüstenlöwen leben in diesem Land von wilder Schönheit, wo weites Grasland sich mit eindrucksvollen Bergketten, Schluchten und rollenden Hügeln abwechselt. Die Löwen können nah sein, aber das Signal ist blockiert, oder das Gelände ist so unwegsam, dass es einfach unmöglich ist, dorthin zu gelangen.

Forschungsfahrzeug auf einem Hügel

Als wir das Territorium des Obab Rudels erreichen, stand Dr. Stander’s Auto schon oben auf einem Hügel, von wo er das Signal am besten empfangen konnte. Aber da war kein Signal. Wir mussten anderswo suchen.

Hier war lange kein Regen gefallen. Daher waren die Zebras, die bevorzugte Beute der Löwen, abgewandert. Und auch sonst war nicht ein Tier zu sehen.

Leere Landschaft in der Palmwag Konzession

Was macht ein Löwe, wenn sein Futter weggelaufen ist

Der Regen in diesem Teil Namibia’s ist höchst unzuverlässig und sporadisch. Ein Tal kann grün sein, während ein paar Kilometer weiter das Land kahl und ausgedörrt ist. Die Wildtiere ziehen mit dem Regen. Und genau das kann ein Problem sein für die Wüstenlöwen.

Irgendwie wissen die Beutetiere, wo Regen gefallen ist und ziehen dorthin.

Plötzlich ist dann das ganze Löwenfutter weg.

In dieser Situation sehen sich Löwen oft zum Vieh der Menschen hingezogen. Ein Wüstenlöwe kann zwei Wochen ohne Futter auskommen, und bis zu zwei Monate überleben.

Aber ein solch ausgehungerter Löwe kann der Versuchung nicht widerstehen, wenn ihm ein Esel oder eine Kuh über den Weg läuft.

Über die Probleme (und Lösungsansätze), die das mit sich bringt, erfahren Sie weiter unten noch mehr.

Auf dieser Karte sind die Reviere der verschiedenen Rudel eingetragen:

Karte der Löwenrudel in der nördlichen Namib C Desert Lion Project

Als der Obab Löwe fast ein GPS Sendehalsband bekam

Dr. Stander versuchte mit Hilfe einer Drohne herauszufinden, wo wir am besten nach Löwen suchen sollten. Aber auch mit der Drohne fanden wir nichts.

Aber ein Stück weiter fanden wir schliesslich ein Signal.

In dieser Nacht bekam der Obab Löwe fast ein Sendehalsband.

Wir fanden das dominante Männchen des Obab Rudels, er döste unter einem Salvadora Busch. Wir konnten ihn ausgiebig beobachteten, während Dr. Stander versuchte, sich ihm zu nähern. Aber auf einmal stand der Löwe auf, als ob er etwas Dringendes zu erledigen hätte. Dr. Stander konnte dann nicht mehr nah genug an ihn herankommen, um den Betäubungspfeil abzuschiessen.

Unverrichteter Dinge schlugen wir unser Camp für die Nacht auf, genossen die stille, klare Wüstennacht und hörten Dr. Stander’s Geschichten am Lagerfeuer zu. Als wir schlafen gingen, machte sich Dr. Stander auf, den Obab Löwen wiederzufinden.

Löwe unter Salvadora Busch in der Palmwagkonzession

So nah und doch so fern

Er fand ihn nicht wieder.

Also entschlossen wir uns, uns auf die Löwinnen des Obab Rudels zu konzentrieren. Wir fanden das Signal ihrer Sender, aber das Terrain war so unüberwindlich, dass wir nicht an sie herankamen. Löwen wandern grosse Strecken.

Wüstenlöwen können bis zu 70 km in einer Nacht wandern.

Ein Etosha Löwe legt diese Distanz vielleicht in einer Woche zurück. Die Wüstenlöwen müssen ihre dünn gestreute Beute in einem riesigen Territorium aufspüren.

Daher ist es möglich, dass sie sich am nächsten Tag an einem besser zugänglichen Ort befinden. Wären wir nicht dabei gewesen, hätte Dr. Stander wahrscheinlich eine andere Route genommen, um den Löwen zu folgen. Aber wir hatten keine Zeit dafür.

Also mussten wir unseren Plan nochmal ändern.

Wie kann man an 12 Löwen vorbeifahren ohne sie zu sehen?

Das Barab Rudel war nahe und Dr. Stander wusste, dass sie Junge haben mussten, die er noch nicht gesehen hatte. Ihr Signal zu finden war leicht. Dr. Stander fand die Stelle in einem trockenen Flussbett, wo sie sich aufhalten mussten. Er zeigte uns, wo sie sein mussten, während er auf dem Hügel blieb, um die Löwen aus der Ferne zu beobachten.

Wir fuhren den steilen Hügel hinunter zum Flussbett, sehr gespannt darauf, die kleinen Löwen zu sehen.

Doch Dr. Stander signalisierte uns von seinem Aussichtspunkt aus mithilfe einer Taschenlampe, dass wir zurückzukommen sollten. Warum?

Wir waren an den Löwen vorbeigefahren, ohne sie zu sehen!

Die Löwen hatten sich im Gebüsch geduckt, gewartet bis wir vorbei waren und waren dann in die andere Richtung los marschiert!

Am Ende haben wir sie dann noch aus der Ferne gesehen: Drei grosse und neun kleine Löwen, die im Gänsemarsch das trockene Flussbett entlang marschierten! Was für ein toller Anblick!

Löwenrudel mit Jungen in der Palmwagkonzession

Werden die kleinen Wüstenlöwen überleben?

Wir erfuhren, dass die jungen Löwen gute Chancen haben, das Erwachsenenalter zu erreichen, wenn sie die ersten Monate überleben. Die einzige ernste Gefahr für sie in ihrem Gebiet ist Futterknappheit. Kindermord durch ausgewachsene männliche Löwen ist hier sehr selten.

Das Barab Rudel ist ein junges Rudel und das einzig stabile Rudel in der gesamten Wüstenlöwenpopulation.

Männliche Wüstenlöwen hatten eine unnatürlich hohe Todesrate, verursacht durch Trophäenjagd. Daher haben die meisten Rudel hier keinen ausgewachsenen männlichen Löwen. Doch das Barab Rudel hat sogar zwei: Geronimo und seinen Koalitionspartner.

Die Trophäenjagd ist reguliert und kontrolliert, doch wenn die kleinen Löwen erst einmal erwachsen sind, wartet eine andere grosse Gefahr auf sie: viele Wüstenlöwen werden früher oder später vergiftet oder erschossen, wenn sie mit Menschen und ihren Kühen, Ziegen, Eseln, etc, in Konflikt geraten.

Die Heimat der Wüstenlöwen ist grösstenteils kommunales Farmland, kein Nationalpark.

Die Löwen teilen sich also den Lebensraum mit Menschen und ihren Haustieren.

Und die Menschen verteidigen ihr Vieh, wenn Löwen versuchen, sich ein Rindersteak zu schnappen – oft endet es damit, dass sie die Löwen töten.

Stimmungsvolles Licht nach Sonnenuntergang in der Palmwagkonzession Namibia

Trotzdem sind die Löwen in Namibia’s Kunene Region die einzige frei lebende Löwenpopulation, die noch wächst!

Das ist zu einem grossen Teil darauf zurückzuführen, dass die Menschen, die hier leben, in den Naturschutz einbezogen werden.

Die Löwen werden nur überleben, wenn Menschen und Löwen irgendwie einen Weg finden, gemeinsam in dieser rauhen Umgebung zu leben. Früher haben sich Menschen nicht permanent hier niedergelassen. Doch vor ein paar Jahrzehnten sind Menschen hier angesiedelt worden, und es sind Brunnen gebohrt worden. Nun sind immer Menschen da, und damit ihr Vieh.

Auch für die Menschen ist es ein hartes Leben hier, und viele hätten wohl gern besseres Land, mit mehr Gras und ohne Löwen.

Es müssen Strategien gefunden werden, um zu vermeiden, dass Löwen für Menschen oder deren Vieh zur Gefahr werden.

Naturschützer versuchen zu erreichen, dass die Farmer hier auch von den Löwen profitieren, hauptsächlich durch verantwortlichen Tourismus.

Die Wüstenlöwen sind ein Magnet für Besucher aus aller Welt.

Wenn die Menschen vor Ort von den Löwen profitieren, dann sind sie nicht mehr nur Schädlinge, die wertvolle Kühe, Ziegen, Schafe und Esel (diese sind der einzige Wohlstand der Menschen hier) fressen. Somit steigt auch die Bereitschaft, die Löwen vor der Haustür zu tolerieren.

Durch die Corona Krise sind die Erfolge, die erzielt worden sind, jedoch wieder stark gefährdet. Arbeitsplätze sind verloren gegangen und es fehlt das Geld, um Massnahmen zum Schutz der Löwen und des Viehs zu bezahlen.

Als es Nacht wurde, mussten wir wieder unser Camp aufbauen. Wir hatten auch einen Löwenhunger. Dr. Stander blieb bei den Löwen und kam später auf eine Plauderei vorbei. Als wir schlafen gingen, kehrte Dr. Stander zu den Löwen in die stockdunkle Wüstennacht zurück.

Stimmungsvolles Licht nach Sonnenuntergang in der Palmwagkonzession Namibia

Wüstenkönige – Die Löwen der Namib / Vanishing Kings

Die zweiteilige Dokumentation „Wüstenkönige“ begleitet ein Wüstenlöwenrudel über mehrere Jahre und hält die glücklichen, spannenden, unglaublichen und traurigen Momente in ihrem Leben in überwältigend schönen Bildern fest. Ein Muss für jeden, der sich für Namibia’s Wüstenlöwen interessiert.

Wüstenkönige – Teil 1

Wüstenkönige – Teil 2

Möchten Sie zum Schutz der Wüstenlöwen beitragen?

Das können Sie sehr einfach über TOSCO (Tourism Supporting Conservation) tun. TOSCO unterstützt Dr. Stander bei seiner Arbeit und leistet Hilfe vor Ort, um Menschen und Löwen ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Essentiell dafür sind die Lion Ranger. Die Lion Ranger sind Menschen aus den Dörfern, die versuchen, Angriffe der Löwen auf das Vieh der Menschen zu vermeiden und zu verhindern, dass Löwen geschossen werden.

PS: Wir unterstützen TOSCO mit 150 N$ für jede Buchung.

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