Wir trafen Dr. Stander nach Sonnenuntergang inmitten der Palmwag Konzession. Dr. Stander ist Wüstenlöwenforscher in Namibia.

Während wir unser Camp aufstellten und uns ums Abendessen kümmerten, machte er sich auf zum nächsten Hügel: Um nach Löwen zu hören, über das Radio-System. Danach kam er zu einem Plausch an unser Lagerfeuer. Als wir in unsere Zelte krochen, kehrte er zum Hügel zurück, um weiter nach Löwen zu hören. Während wir am nächsten Morgen unserem Frühstück fröhnten und das Camp abbauten, fuhr Dr. Stander schon mal voraus, um Löwen zu suchen.

Löwenforschung ist kein Beruf, sondern Berufung.

Dr. Stander vor seinem Forschungsfahrzeug

Forschung für das Überleben der Löwen

Die berühmten Wüstenlöwen waren Ende der 80er Jahre schon fast ausgestorben. Heute, leben wieder 150-200 der an das Leben in der Wüste angepassten Löwen in Namibia’s Kunene Region (Damaraland/ Kaokoveld). Eng verbunden mit ihrem Come-Back ist Dr. Philipp (Flip) Stander, der sie seit fast 20 Jahren erforscht.

Über seine Webseite www.desertlion.info, können wir das Leben einiger dieser Wüstenlöwen nachverfolgen und erfahren eine Menge interessanter Informationen, die Dr. Stander durch seine Forschungsarbeit im Laufe der Jahre erarbeitet hat.

Eine Gruppe von TOSCO (Tourism Supporting Conservation) Sponsoren hatte die Gelegenheit seine Arbeit aus erster Hand zu erleben. Dies war eine seltene und einmalige Gelegenheit für einige Wenige.

TOSCO Trust unterstützt die Organisation zum Schutz der Wüstenlöwen, da man erkannt hat, dass die Tourismusindustrie, die ja von den Löwen profitiert, zu ihrem Schutz beitragen muss.

Wüstenlöwe in Deckung Copyright Dr Stander
Leere Landschaft in der Palmwag Konzession

Von Löwen und Ausserirdischen

Dr. Stander erklärte uns, dass es unser Ziel sein würde, ein Mitglied des Obab-Rudels mit einem GPS Sender, den TOSCO gesponsort hatte, auszustatten. Einige Löwen dieses Rudels haben bereits ein Radiosendehalsband. Als wir allerdings versuchen das Rudel mit dessen Hilfe zu finden, merken wir, dass das alles andere als einfach ist.

Man muss sich das nervtötende Geräusch des Radiosenders den ganzen Tag lang anhören. Das hört sich in etwa so an wie ein Radio, das keinen Kanal findet. Dabei ist es nötig, feine Veränderungen des Signals zu erkennen und zu interpretieren. Es könnte bedeuten, dass man den Löwen näher kommt. Man könnte auch nach Ausserirdischen in den Weiten des Weltalls suchen…

Auf flachem Land wäre es noch relativ einfach. Aber die Löwen leben in diesem Land von wilder Schönheit, wo weites Grasland sich mit eindrucksvollen Bergketten, Schluchten und rollenden Hügeln abwechselt. Die Löwen können nah sein, aber das Signal ist blockiert oder es ist einfach unmöglich, hinzugelangen.

Als wir zum Territorium des Obab Rudels gelangen, stand Dr. Stander’s Auto schon oben auf einem Hügel, von wo er das Signal am besten empfangen konnte. Aber da war kein Signal. Hier war lange kein Regen gefallen, und die Zebras, die bevorzugte Beute der Löwen waren woanders. Nicht ein Tier war zu sehen.

Leere Landschaft in der Palmwag Konzession
Leere Landschaft in der Palmwag Konzession

Was macht ein Löwe, wenn sein Futter weggelaufen ist

Der Regen in diesem Teil Namibia’s ist höchst unzuverlässig und sporadisch. Ein Tal kann grün sein, während ein paar Kilometer weiter das Land kahl und ausgedörrt ist. Die Wildtiere ziehen mit dem Regen. Und genau das kann ein Problem sein für die Löwen.

Irgendwie wissen die Beutetiere, wo Regen gefallen ist und ziehen dortin. Und plötzlich ist das ganze Löwenfutter weg. In dieser Situation sehen sich Löwen oft zum Vieh der Menschen hingezogen. Ein Wüstenlöwe kann zwei Wochen ohne Futter auskommen, und bis zu zwei Monate überleben. Aber ein solch ausgehungerter Löwe kann der Versuchung nicht widerstehen, wenn ihm ein Esel oder eine Kuh über den Weg läuft.

Als der Obab Löwe fast ein GPS Sendehalsband bekam

Um herauszufinden, wo es geregnet hatte, hatte Dr. Stander jetzt ein neues Gerät, eine Drohne. Er liess sie fliegen und mit Hilfe der Bilder versuchte er herauszufinden, wo es geregnet hatte, und wo wir am besten nach Löwen suchen sollten. In dieser Nacht bekam der Obab Löwe fast ein Sendehalsband.

Wir beobachteten ihn lange, während er unter einem Salvadora Busch döste. Auf einmal stand er auf, als ob er etwas Dringendes zu erledigen hätte. Dr. Stander konnte dann nicht mehr nah genug an ihn herankommen, um den Betäubungspfeil abzuschiessen. Unverrichteter Dinge schlugen wir unser Camp für die Nacht auf, genossen die stille, klare Wüstennacht und hörten Dr. Stander’s Geschichten am Lagerfeuer zu. Als wir schlafen gingen, machte sich Dr. Stander auf, den Obab Löwen wiederzufinden.

Löwe unter Salvadora Busch in der Palmwagkonzession

So nah und doch so fern

Er fand ihn nicht wieder. Also entschlossen wir uns, uns nun auf die Löwinnen des Obab Rudels zu konzentrieren. Wir fanden das Signal ihrer Sender, aber das Terrain war so unüberwindlich, dass wir nicht an sie herankamen. Löwen wandern grosse Strecken. Wären wir nicht dabeigewesen, hätte Dr. Stander wahrscheinlich eine andere Route genommen, um den Löwen zu folgen. Die Wüstenlöwen können bis zu 70 km in einer Nacht wandern. Ein Etosha Löwe legt diese Distanz vielleicht in einer Woche zurück. Die Wüstenlöwen müssen ihre dünn gestreute Beute in einem riesigen Territorium aufspüren. Daher ist es gut möglich, dass sie sich am nächsten Tag an einem besser zugänglichen Ort befinden. Aber wir hatten keine Zeit dafür. Also mussten wir unseren Plan nochmal ändern.

Wie kann man an 12 Löwen vorbeifahren ohne sie zu sehen?

Das Barab Rudel war nahe und Dr. Stander wusste, dass sie Junge haben mussten, die er noch nicht gesehen hatte. Ihr Signal zu finden war leicht. Dr. Stander fand die Stelle, wo sie sich aufhalten mussten. Wir fuhren hin, sehr gespannt darauf, die kleinen Löwen zu sehen. Dr. Stander signalisierte uns von seinem Aussichtspunkt aus, dass wir zurückzukommen sollten. Warum?

Wir waren an den Löwen vorbeigefahren, ohne sie zu sehen! Die Löwen hatten sich im Gebüsch geduckt, gewartet bis wir vorbei waren und waren dann in die andere Richtung losmarschiert. Am Ende sahen wir sie dann noch aus der Ferne: Drei grosse und neun kleine Löwen, die im Gänsemarsch das trockene Flussbett entlang marschierten!

Löwenrudel mit Jungen in der Palmwagkonzession

Werden die kleinen Löwen überleben?

Wir erfuhren, dass die jungen Löwen gute Chancen haben das Erwachsenenalter zu erreichen, wenn sie die ersten Monate überleben. Die einzige ernste Gefahr für sie in ihrem Gebiet ist Futterknappheit und Hunger.

Das Barab Rudel ist ein junges Rudel und das einzig stabile Rudel in der gesamten Wüstenlöwenpopulation. Männliche Wüstenlöwen haben eine unnatürlich hohe Todesrate verursacht durch Trophäenjagd. Daher haben die meisten Rudel keinen männlichen Löwen.

Wenn die kleinen Löwen ersteinmal erwachsen sind und das Rudel verlassen, wartet allerdings eine grosse Gefahr auf sie: die meisten Wüstenlöwen werden früher oder später vergiftet oder erschossen, wenn sie mit Menschen und ihren Farmtieren, Kühen, Ziegen, Eseln, etc, in Konflikt geraten. Die Heimat der Wüstenlöwen ist grösstenteils kommunales Farmland, kein Nationalpark. Die Löwen teilen sich also den Lebensraum mit Menschen und ihren Haustieren.

Trotzdem ist Namibia’s Kunene Region, die Heimat der Löwen, die einzige freilebende Löwenpopulation, die noch wächst! Ihr Überleben ist allerdings nur möglich, wenn die Menschen und Löwen irgendwie einen Weg finden, gemeinsam in dieser rauhen Umgebung zu überleben. Daher ist es sehr wichtig, Strategien zu finden, wie vermieden werden kann, dass Löwen für Menschen oder deren Vieh zur Gefahr werden.

Als es Nacht wurde, mussten wir wieder unser Camp aufbauen. Wir hatten auch einen Löwenhunger. Dr. Stander blieb bei den Löwen und kam später auf eine Plauderei vorbei. Als wir schlafen gingen, kehrte Dr. Stander zu den Löwen in die stockdunkle Wüstennacht zurück.

Stimmungsvolles Licht nach Sonnenuntergang in der Palmwagkonzession Namibia

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